Bahnhof Anderbeck
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Informationen zu Anderbeck und Umgebung.

Anderbeck

1086 urkundlich zum ersten Mal erwähnt; Bischof Burchard II. schenkte dem Kloster Ilsenburg einen Hufe Land zu „Anderbike“. Der Name leitet sich wahrscheinlich vom Bach „Beeke“ ab, der den Ort durchfließt (An der Beeke). Heute hat Anderbeck ca. 600 Einwohner und ist ein Ortsteil der Gemeinde Huy im Landkreis Harz. Weitere Informationen finden Sie hier.

Huy

Höhenzug im westlichen Sachsen-Anhalt, nördlich des Harzes, bis
314 Meter hoch, großenteils Buchenwald, Felsformationen aus Buntsandstein und Muschelkalk, großes Obstanbaugebiet, früher Kali- und Steinsalzabbau.

Bahnstrecke

Jerxheim (0 km) - Dedeleben (5,0) - Vogelsdorf (7,6) - Badersleben (9,6) - Anderbeck (13,0) - Dingelstedt (16,2) - Eilenstedt (20,0) - Schwanebeck (28,6) - Nienhagen (32,9)

In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts erbaut und am 15.8.1890 für den Personen- und Güterverkehr freigegeben, verband die ca. 33 km lange „Huy-Bahn“ die Strecken Magdeburg – Halberstadt und Helmstedt – Wolfenbüttel miteinander. Hauptgründe für ihren Bau waren der in den vorausgegangenen Jahren stark ausgebaute Kali und Steinsalzbergbau im Huy sowie die steigende Anzahl der Zuckerfabriken in den fruchtbaren Rübenanbaugebieten der Magdeburger Börde und des nördlichen Harzvorlandes.

Später kamen die Zementfabrik in Schwanebeck hinzu sowie der Saatzuchtbetrieb Strube in Schlanstedt, die über Feldbahnen an die Huy-Bahn angeschlossen wurden. In Anderbeck zweigte eine ca. 7 km lange Anschlussbahn zu den Kalischächten Wilhelmshall und Mönchhai im Huy ab. Aber schon in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts verlor die Huy-Bahn ihre wichtigsten Kunden im Güterverkehr. Die Zuckerfabriken in Jerxheim, Eilenstedt und Schwanebeck wurden 1925 geschlossen, der Kalibergbau im Huy 1926 eingestellt. 1931 wurde das Zementwerk in Schwanebeck stillgelegt, 1934 aber bereits reaktiviert, um den durch die nationalsozialistischen Bauvorhaben gestiegenen Bedarf an Zement mit zu decken.

Wegen der abgeschiedenen Lage und trotzdem guten Anbindung an das Eisenbahnnetz wurde 1935 auf dem Gelände der ehemaligen Gewerkschaft Wilhelmshall eine Heeres-Munitionsanstalt errichtet, mit Produktionshallen über Tage und Lagerräumen in zwei alten Schächten. Güterwaggons mit der explosiven Ladung wurden mit der Nebenbahn nach Anderbeck gefahren und dort an andere Güterzüge angekoppelt. Trotzdem wurden Anderbeck und die gesamte Bahnstrecke von Bombardierungen verschont.

Nach dem Krieg wurde die Strecke zwischen Dedeleben, jetzt Teil der sowjetisch besetzten Zone, und Jerxheim in der britischen Zone gekappt, die Gleisanlagen dort abgebaut. Trotzdem nahmen sowohl der Personen- als auch der Güterverkehr bald stark zu. Vor allem Zement aus Schwanebeck und Saatgut aus Schlanstedt wurden transportiert, und sechs Personenzugpaare verbanden über Nienhagen Dedeleben mit Halberstadt. Erst Ende der 60er Jahre ging das Verkehrsaufkommen wieder zurück, da der Busverkehr deutlich verbessert wurde und gleichzeitig Gleise und Brücken in immer schlechteren Zustand gerieten, so dass die Fahrzeit für die knapp 40 Kilometer von Dedeleben nach Halberstadt wegen der vielen Langsamfahrstellen (Höchstgeschwindigkeiten von 30 bzw. 10 km/h) auf etwa 90 Minuten anwuchs.

Nach der Wende und Grenzöffnung im Herbst 1989 brachen Güter- und Personenverkehr fast vollständig zusammen. Zwar gab es Bestrebungen, die Lücke zwischen Dedeleben und Jerxheim wieder zu schließen und die gesamte Strecke zu sanieren, um eine schnelle und umweltfreundliche Verbindung zwischen Braunschweig und Halberstadt zu schaffen, doch fehlte dafür die politische Unterstützung der Landesregierungen von Sachsen-Anhalt und Niedersachsen sowie der Bundesregierung. Für die Bahn war die Strecke unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sowieso nicht mehr tragbar. Das Angebot wurde weiter eingeschränkt, die Anlagen verfielen immer mehr. Als man im März 2000 an zwei Brücken massive Schäden entdeckte, wurde der Zugverkehr aus technischen Gründen eingestellt. Am 1. August 2001, nach 111 Jahren, wurde die Strecke offiziell stillgelegt.

2014/2015 wurde die Bahnstrecke leider abgebaut, der Verwertungsdruck bei der Deutschen Bahn war wohl zu hoch. Alleine im Bereich unseres Bahnhofs konnten wir ein kleines Stück Gleise retten (teuer bezahlt), aber ohne die Schienen wäre ein Teil des Flairs unwiderruflich verloren gegangen.

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